Eine sprachkritische Jury hat “Anti-Abschiebe-Industrie” als Unwort des Jahres 2018 gekürt. Der Ausdruck zeige, “wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat,” hieß es zur Begründung.

Das Unwort des Jahres 2018 lautet “Anti-Abschiebe-Industrie”. Das gab die Sprecherin einer unabhängigen und sprachkritischen Jury, die Linguistik-Professorin Nina Janich in Darmstadt bekannt.

Der Ausdruck unterstelle denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützten, die Absicht, auch kriminell gewordene Flüchtlinge schützen und damit in großem Maßstab Geld verdienen zu wollen, sagte Janich weiter. Der CSU-Politiker Alexander Dobrindt hatte den Begriff im Mai 2018 in einem Interview genutzt. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag hatte Klagen gegen die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber als Sabotage des Rechtsstaats bezeichnet und von einer “Anti-Abschiebe-Industrie” gesprochen.

Janich sagte, eine solche Äußerung von einem wichtigen Politiker einer Regierungspartei zeige, “wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat und sich damit auch die Sagbarkeitsregeln in unserer Demokratie auf bedenkliche Weise verändern”.

508 Vorschläge eingegangen

508 verschiedene Begriffe waren als Vorschläge für das Unwort des Jahres eingegangen. Nur etwa 60 davon entsprachen aber überhaupt den Kriterien der sprachkritischen Aktion, wie Janich sagte. Knapp 15 Wörter habe die Jury in die engere Wahl einbezogen.

Die jährliche Kür des Unworts des Jahres soll auf “undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden öffentlichen Sprachgebrauch” aufmerksam machen. Sie erfolgt seit dem Jahr 1991.

“Alternative Fakten” war Unwort 2017

Im vergangenen Jahr fiel die Wahl auf “alternative Fakten”. Verantwortlich für die viel beachtete Auswahl des Unworts ist eine Jury aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten, die durch einen jährlich wechselnden Gast ergänzt wird. Die Aktion selbst ist institutionell unabhängig.

Sie will einen bewussten Umgang mit Sprache fördern, indem sie auf Begriffe hinweist, die diskriminieren, irreführen oder demokratische Prinzipien verletzten. Die Jury wählt dabei aus Vorschlägen aus, die jeder im Internet einreichen kann.



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